Privilegien sind kein Zufall. Sie sind ein Auftrag.

Stell dir vor, du gehst aufs Amt, sagst deinen Namen und niemand stellt Fragen. Du gehst zum Arzt, und niemand will ein Gutachten über deinen Körper. Du bewirbst dich, und dein Ausweis ist kein Problem. Für cis* Menschen ist das Dienstag. Für trans Menschen ist es ein Kampf, der nie Pause macht.

Genau darum geht es: Privilegien sind unsichtbar für jene, die sie haben und sie sind brutal sichtbar für jene, die sie nicht haben.

Was wir als Partei tun müssen

Ja, die Schweiz hat 2022 die Personenstandsänderung beim Zivilstandsamt vereinfacht. Das war ein Schritt. Aber seien wir ehrlich: Es war ein Mindestschritt., der erneut von den rechtsbürgerlichen Kräften im Parlament angegriffen wird. Trans Menschen berichten dem Transgender Network Switzerland – TGNS weiterhin von widerrechtlichem Gatekeeping durch Krankenkassen, von bürokratischer Schikane in Ämtern, von fehlender gesellschaftlicher und politischer Repräsentation. Gerade trans Personen mit tiefem Einkommen trifft es doppelt: Wer sich jede Franchise überlegen muss, für den wird Gesundheitsversorgung zum Luxus. Das ist keine Nischenfrage. Das ist eine Klassenfrage.

Solidarität heisst: Macht abgeben

Wir reden in der SP viel über Repräsentation. Gut so. Aber Repräsentation ohne Machtteilung ist Dekoration. Trans Menschen müssen in unseren Gremien, auf unseren Listen, an unseren Mikrofonen sitzen, nicht als Zitat, sondern als Entscheidungsträger:innen. Die Yogyakarta-Prinzipien der UNO sagen klar, was Staaten und Gesellschaften schulden. Halten wir uns daran und fördern die Repräsentation und Partizipation von trans Personen in der Politik.

Schutz ist kein Nice-to-have

Über 60 Prozent der trans Befragten in der Schweiz erleben Diskriminierung (FRA Survey). Artikel 261bis im StGB schützt immer noch nicht explizit die Geschlechtsidentität. Das ist ein Skandal. Wenn transfeindliche Rhetorik unter pseudofeministischem Deckmäntelchen in bürgerlichen Kampagnen auftaucht, dann schauen wir nicht weg. Wir widersprechen. Laut. Auch in den eigenen Reihen.

Unsere Forderungen sind konkret

Ausbau von Beratungsstellen, Schutzräumen und Begleitungsangeboten. Abschaffung der Franchisen-Hürden im KVG für transitionsspezifische Leistungen. Sensibilisierung bei Polizei und Justiz. Kein psychiatrisches Gutachten darf länger als Eintrittskarte ins eigene Leben gelten, Gesundheitsversorgung heisst informierte Selbstbestimmung, nicht Fremdbestimmung.

Privilegien zu teilen, kostet uns cis Menschen nichts. Für trans Personen bedeutet es soziale Gleichstellung und Überleben. Solidarität ist keine Geste der Grosszügigkeit, Genoss:innen. Sie ist das Fundament, auf dem diese Partei steht.

Packen wir’s an.

Autor: Mohamed Abdirahim, Co-Präsident SP queer Kanton Bern

*Personen die nicht trans sind, sich folglich mit dem Geschlecht identifizieren, dem sie bei der Geburt zugeteilt wurden.

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