Mehr Schutz statt Sparpolitik: Die Opferhilfestrategie ist ungenügend!

Am 3. März wurde der Berner Rathausplatz zum Symbol feministischer und sozialer Solidarität. Hunderte Menschen folgten dem Aufruf von der SP, den Grünen, verschiedene Gewerkschaften und feministischen Organisationen, um gegen patriarchale Gewalt und die ungenügende Opferhilfestrategie des SVP-Regierungsrats Pierre Alain Schnegg zu protestieren.

Die Zahlen sind alarmierend. Über 1900 Fälle häuslicher Gewalt im Kanton Bern allein im Jahr 2024, und 29 Femizide in der Schweiz im letzten Jahr. Das kann niemand schönreden. Gewalt gegen Frauen, gegen queere Menschen, gegen Kinder ist keine private Angelegenheit. Sie ist Ausdruck von Machtverhältnissen, wirtschaftlicher Abhängigkeit und ungleicher Chancenverteilung. Die neue Opferhilfestrategie des Kantons Bern möchte nun aber vor allem verwalten statt ausbauen. Unter dem Schlagwort «Optimierung» setzt Regierungsrat Schnegg auf Fusionen von Trägerschaften, verschlankte Strukturen und Synergien – aber nirgends ist verbindlich festgehalten, dass Frauenhäuser, Beratungsstellen und Fachangebote im gleichen Mass wachsen sollen wie die Fallzahlen häuslicher und sexualisierter Gewalt. Während sich die Zahl der Ratsuchenden in kurzer Zeit verdoppelt hat und Frauenhäuser regelmässig an der Kapazitätsgrenze arbeiten, hält der Kanton an Kostenneutralität fest – mit der Folge, dass die Opferhilfe auf einem zu tiefen Niveau stabilisiert wird, statt bedarfsgerecht ausgebaut zu werden.

Kosteneffizienz im Opferschutz gefährdet Leben

Aus unserer Sicht ist das ein Rückschritt, der Fachlichkeit und Kontinuität in einem entscheidenden Moment untergräbt und den Anforderungen der Istanbul-Konvention an professionelle, spezialisierte Unterstützungsdienste widerspricht. Gerade in einer Zeit, in der Gewaltbetroffene vermehrt Hilfe suchen und die Hemmschwelle sinkt, Anzeige zu erstatten, braucht es mehr geschützte Plätze und mehr Fachpersonal

Das wurde auch an der Kundgebung klar. Unsere Nationalrätin Tamara Funiciello griff die Sparlogik des Kantons direkt an und erinnerte daran, dass es nicht das erste Mal sei, dass Betroffene von patriarchaler Gewalt auf einem Platz stehen müssen, um Selbstverständliches einzufordern: Leben. Auch die Grüne Grossrätin Seraina Patzen, kritisierte die Strategie von Regierungsrat Schnegg als neoliberales Projekt und machte klar, dass Kosteneffizienz im Opferschutz Menschen konkret gefährdet. Julia Meier der Opferhilfeorganisation Brava ergänzte mit Einblicken in die Praxis, und wie existenziell Beratungsplätze sind. Den Abschluss machte Jen Buchli von Campax mit einer starken Rede, die unterstrich, wie wichtig unser Zusammenhalt in diesem Kampf ist.

Gemeinsam können wir etwas verändern

Die Kundgebung zeigte einmal mehr, dass es nicht um weniger geht als Leben von Frauen, queeren Personen und Kinder. Dass SVP-Regierungsrat Schnegg nicht bereit ist Geld in die Prävention zu stecken, zeigt sinnbildlich, dass es den Bürgerlichen nicht um Menschen geht. Die Solidarität der vielen Anwesenden gab aber unglaublich Mut und Hoffnung, dass wir gemeinsam etwas verändern können.

Co-Präsidium SP Frauen Kt. BE

Vanessa Bieri

Clara Wyss

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