Seit mehreren Jahren versuchen Politiker*innen aus den Reihen verschiedener Parteien die Zugänge für trans Menschen im Gesundheitssystem einzuschränken, angefangen bei der fehlenden Finanzierung nötiger Betreuungsangebote hin zu Forderungen nach Verboten für wissenschaftlich fundierte medizinische Angebote.

Auch im Kanton Bern werden solche Forderungen immer wieder gestellt: letzten Sommer unterstützte Regierungsrat Schnegg die Forderung nach einem Verbot von geschlechtsangleichenden Massnahmen für trans Jugendliche und im Januar äusserte sich Regierungsrat Müller in einem Interview erneut abschätzig über Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit. Der Grosse Rat hat im Dezember 2023 zwar in einer Motion mehr Mittel für Betreuungsangebote für trans Kinder und Jugendliche gesprochen, dabei hat eine rechte Mehrheit aber ebenfalls einem Verbot von geschlechtsangleichenden Massnahmen zugestimmt. Statt faktenorientierte Politik zu betreiben, die nötige Betreuungsangebote für trans Personen und ihre Angehörige zur Verfügung zu stellen und mit Fachpersonen und Vereinen konstruktiv zusammenzuarbeiten, herrscht in der Berner Politik Polemik und Populismus vor. Dies muss sich ändern! Wir fordern deshalb:
Ein Gesundheitssystem mit dem Grundsatz der Selbstbestimmung über den eigenen Körper, statt Fremdbestimmung und Verbote!
Um das Recht, selbstbestimmt über den eigenen Körper zu bestimmen kämpfen trans Personen und viele mehr seit Jahrzehnten. Verbote und Einschränkungen sind ein Eingriff in diese fundamentale Rechte. Statt pragmatische und zielführende Lösungen zu finden, fördern sie Stigmatisierung und schaden der Gesundheit aller.
Eine wissenschaftsbasierte Herangehensweise – statt einer populistischen Stimmungsmache.
Zahlreiche Fachpersonen aus Medizin, Sozialarbeit und Vereinen forschen und arbeiten eng miteinander und mit trans Personen zusammen, um zugängliche Angebote zu schaffen, die Sorgen und Bedenken aller Beteiligten ernst nehmen. Diese Prozesse müssen unterstützt werden: Fördern wir Forschung und Angebote im Kanton Bern!
Ein Gesundheitssystem, welches die Grundversorgung für trans Personen sicherstellt und spezialisierte Angebote fördert!
Aktuelle Angebote für trans Personen stehen nicht nur wegen politischen Eingriffen unter Beschuss. Fehlende Finanzierung und Ausbildungsmöglichkeiten gefährden ihre Zukunft. Der Kanton Bern muss hier zusammen mit allen beteiligten Akteuren*innen konstruktive Lösungen suchen, um die bestehenden Angebote zu erhalten und gezielt weiterzuentwickeln.
Ein Gesundheitssystem, das die Menschen und ihre Anliegen ernst nimmt, ist kein Luxus, sondern Grundversorgung.
Fehlende Selbstbestimmung im Gesundheitssystem betrifft bei weitem nicht nur trans Personen: Die hohen Prämien und fehlende Kostenübernahmen durch Krankenkassen erschweren zahlreichen Menschen den Zugang zu medizinischen Massnahmen und hindern sie daran selbstbestimmt über ihren Körper bestimmen zu können. Selbstbestimmung als Grundsatz des Gesundheitssystems bedeutet deshalb grundsätzlich Hürden abzubauen und damit Zugänge zu erleichtern.
Aktuell sorgen weder der Regierungsrat noch der Grosse Rat des Kantons Bern für ein gerechtes und zugängliches Gesundheitssystem. Die Stimmbevölkerung des Kantons Bern hat am 29. März die Möglichkeit daran etwas zu ändern!
Verfasser:innen
Jo Nogueira de Sá (Keine / They)
Frédéric Mader (Keine / They)