Die SP des Kantons Bern ist verärgert über den Nicht-Entscheid und die Verantwortungslosigkeit der eidgenössischen Aufsichtsbehörden. Trotz längst bekannter Sicherheitsmängel sollen der marode Atommeiler und das Brennelementebecken über Jahre weiterbetrieben werden. Die langen Fristen zur Verbesserung der Sicherheit setzen die Gesundheit der Berner Bevölkerung aufs Spiel. Das eidgenössische Nuklearinspektorat ENSI forderte die BKW schon vor Längerem auf, die Sicherheit der Anlagen in Mühleberg in Bezug auf mögliche Ereignisse zu überprüfen. Die nun vorliegenden Antworten bzw. die vorgeschlagenen Massnahmen beheben die Sicherheitsmängel über mehrere Jahre hinweg nicht. Faktisch verlangt das ENSI von der BKW nichts Weiteres als noch mehr Berichte. Das ENSI weigert sich aus den vorliegenden Analysen Konsequenzen zu ziehen und eine vorsorgliche Ausserbetriebnahme des AKW Mühleberg zu verfügen. Damit handelt es verantwortungslos gegenüber der Bevölkerung der Hauptstadtregion Bern. Die unabhängigen Gutachten zur Sicherheit des AKW zeigen, dass verschiedene Ereignisse zu einer atomaren Katastrophe führen könnten: Erdbeben, Überschwemmung durch den Bruch der Wohlensee-Staumauer, Flugzeugabsturz sowie ein Terroranschlag gegen das Reaktorgebäude oder das Abklingbecken. Zudem ist die Stabilität des Kernmantels wegen Rissen nicht gewährleistet. Roland Näf, SP-Parteipräsident meint dazu: „Das scharf kritisierte japanische Unternehmen Tepco hat 2001 in Fukushima den Kernmantel von Reaktor 1 wegen den Rissen austauschen lassen. Fürs ENSI und die BKW ist das im Fall Mühleberg noch immer kein Thema.“
Aus der Sicht der SP des Kantons Bern besteht zwischen dem unverständlichen Entscheid des ENSI und der persönlichen Abhängigkeit der verantwortlichen Experten ein Zusammenhang. Deshalb fordert die SP, dass unverzüglich ein unabhängiges Expertenteam mit der Analyse der vorliegenden Sicherheitsdaten beauftragt wird. Insbesondere ist darauf zu achten, dass die Fachleute in keiner finanziellen Abhängigkeit zur Nuklearindustrie stehen und ihre berufliche Karriere nicht von der zukünftigen energetischen Nutzung der Kernenergie abhängt.